Sparen & Anlegen

Wie und wo legen Schweizerinnen und Schweizer ihr Geld an?

Jungen Mann am PC beim Geld anlegen

Die Schweizer Bevölkerung ist beim Thema Geld anlegen weiterhin zurückhaltend und investiert eher konservativ.

Die aktuelle repräsentative Umfrage von Moneyland zeigt zum Beispiel, dass Männer mehr in risikoreiche Anlagen investieren als Frauen. Grosse Unterschiede beim Anlageverhalten schafft auch das verfügbare Vermögen. Weitere Fakten folgen später in diesem Artikel.

Am interessantesten ist jedoch, wer überhaupt sein Geld in klassische Anlageformen investiert – und wer es sein lässt. 

Erstaunlich viele lassen es sein

Schweizerinnen und Schweizer mögen es handfest, gewissermassen zum Anfassen – sie wollen ihr Geld sehen. In Form von Cash auf dem Kontoauszug, als Bargeld zu Hause oder im Bankschliessfach.

An der Spitze der Anlagen stehen das Privatkonto mit 91 Prozent und das Sparkonto mit 84 Prozent. 67 Prozent bunkern ihr Bargeld zu Hause und 31 Prozent vertrauen Cashbestände dem Schliessfach an.

Geht das Sparkonto aufgrund magerer Zinserträge gerade noch als Anlageform durch, sind dann jedoch Privatkonto, Bargeld zu Hause und Schliessfach nur Cash-Parkplätze. 

Im Umkehrschluss und mit einem Blick auf die Tabelle der bevorzugten Anlageformen bedeutet das: grosse Teile der Schweizer Bevölkerung sind nur schwach oder gar nicht in klassische Anlageformen investiert.



Welche Anlageformen bevorzugen Schweizerinnen und Schweizer, die ihr Geld investieren? Die Tabelle zeigt auf einen Blick, wer in welchen Grössenordnungen wo sein Geld investiert. Einige Unterschiede sind interessant.

In Aktien investieren vor allem Vermögende

Mit dem Vermögen ändert sich auch die Art, wie Schweizerinnen und Schweizer ihr Geld anlegen. Auffällig ist das bei Aktien. Je höher das Vermögen der Befragten, desto höher ist der Anteil derjenigen, die zumindest einen Teil ihres Geldes in Aktien investiert haben.

Nur 20 Prozent der Befragten mit einem Vermögen von weniger als 20’000 Franken haben einen Teil ihres Geldes in Schweizer Aktien investiert. Bei den Befragten mit einem Vermögen von über einer Million Franken sind es hingegen 75 Prozent. 

Die geringe Quote bei Personen mit kleineren Vermögen zeigt das vorhandene Potenzial für die Angebote von Neo-Brokern. Diese machen Investitionen in Aktien bereits mit minimalen Beträgen möglich – und auch die Gebühren sind in der Regel moderat und budgetschonend.

Ein Drittel investiert in ETFs

Exchange Traded Funds (ETFs), also börsengehandelte Indexfonds, erfreuen sich bei Schweizer Anlegerinnen und Anlegern noch keiner sonderlich grossen Beliebtheit: 34 Prozent der Befragten haben Geld in ETFs investiert. Dabei haben ETFs verschiedene Vorteile, wie Dan Urner, Redaktor bei Moneyland erklärt: «Mit ETFs ist es möglich, sein Geld diversifiziert und kostengünstig in viele verschiedene Aktien gleichzeitig anzulegen. Das reduziert langfristig das Verlustrisiko.»

Auffällig: Aktiv gemanagte Fonds geniessen mit 32 Prozent in etwa denselben Zuspruch wie ETFs. «Dabei sind die Gebühren in der Regel deutlich höher als bei passiv verwalteten Fonds», sagt Urner. Zudem: «Es gelingt dem Fondsmanagement nur selten, langfristig den Markt zu schlagen.»

Auch bei ETFs zeigt sich ein Gefälle je nach Vermögensgruppe: Rund 60 Prozent der Personen mit einem Vermögen ab 500’000 Franken haben in ETFs investiert, bei den Personen mit einem Vermögen unter 20’000 Franken sind es nur 20 Prozent. Auch hier: Potenzial für Neo-Broker, die Investitionen in ETFs mit kleinem Geld möglich machen.

Unterschied zwischen Privatkonto und Sparkonto zu wenig bekannt

Am weitesten verbreitet ist das Privatkonto – auch wenn es eigentlich gar keine klassische Anlageform ist: 91 Prozent aller Befragten gaben an, zumindest einen Teil Ihres Geldes darauf zu deponieren. Das Sparkonto folgt mit 84 Prozent erst auf Rang zwei – obwohl das Guthaben in der Regel besser verzinst wird als auf einem Privatkonto.

Das erklärt sich nach Moneyland-Geschäftsführer Benjamin Manz dadurch, dass viele Bankunden den Unterschied  zwischen einem Privat- und einem Sparkonto nicht kennen würden. Das Privatkonto eignet sich vor allem als Lohnkonto für den täglichen Zahlungsverkehr, nicht aber als Geldanlage. Dennoch gaben 35 Prozent der Befragten sogar an, einen grossen Teil ihres Vermögens auf dem Privatkonto angelegt zu haben. 

Die konservative Anlagehaltung der Schweizerinnen und Schweizer zeigt sich auch in der Beliebtheit von Bargeld, obwohl nur eine Minderheit den Grossteil ihres Vermögens in bar hält. 67 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umfrage gaben jedoch an, Banknoten und Münzen zu Hause aufzubewahren. 31 Prozent bewahren Bargeld im Schliessfach auf. 

Beim Vorsorgesparen eher risikoavers

Schweizerinnen und Schwerizer legen grossen Wert auf die Altersvorsorge – und scheuen auch hier in der Regel das Risiko. 3a-Vorsorgefonds und andere Wertschriftenlösungen sind weniger populär als 3a-Sparkonten: nur 47 Prozent der Befragten legen ihr Geld in 3a-Wertschriftenlösungen an. Im Vergleich dazu haben 62 Prozent Geld auf einem 3a-Sparkonto.

Erstaunlich: Bitcoin wird populärer

Angesichts der Risikoaversion vieler Anlegerinnen und Anleger ist eine der Überraschungen, dass Kryptowährungen in vielen Schweizer Portfolios inzwischen einen Platz gefunden haben. 26 Prozent der Befragten gaben an, Bitcoins zu halten. Ebenfalls 26 Prozent halten andere Kryptowährungen. 12 Prozent der Umfrageteilnehmenden haben sogar einen grossen Teil ihres Vermögens in Bitcoin investiert. Bei anderen Kryptowährungen liegt der Anteil bei 11 Prozent.

Obschon Kryptowährungen als Geldanlage volatil und deshalb riskant bleiben: Kryptowährungen sind mittlerweile offenbar im Mainstream angekommen. 

Auch Gold, seit jeher als "sicherer Hafen" und Inflationsschutz populär, gehört bei manchen Schweizerinnen und Schweizern zum Anlageportfolio. 30 Prozent aller befragten Personen gaben an, mindestens etwas Geld in Gold angelegt zu haben. Weitere 24 Prozent gaben an, in andere Edelmetalle als Gold investiert zu haben.

Frauen investieren zurückhaltender als Männer

«Die Geldanlage ist in der Schweiz weiterhin eine Männerdomäne – das unterstreicht auch die aktuelle Umfrage», sagt Benjamin Manz. Bei allen Anlageformen gaben mehr Männer als Frauen an, zumindest etwas Geld investiert zu haben. Besonders deutlich ist der Unterschied bei Schweizer Aktien: 45 Prozent der Männer haben Aktien von Schweizer Unternehmen im Depot, aber nur 26 Prozent der Frauen. Der Unterschied beträgt ganze 19 Prozentpunkte. Auch bei ausländischen Aktien (Differenz von 15 Prozentpunkten) und bei ETFs (14 Prozentpunkte) liegen die Geschlechter weit auseinander.