Harmonisierung & Migration Zahlungsverkehr Schweiz

Europa hat seinen Zahlungsverkehr im August 2014 auf SEPA migriert. Nationale (und dadurch unterschiedliche) Verfahren in den jeweiligen EU- und EWR-Ländern sind Geschichte. Die Schweiz ist mit im Boot und hat einen klaren Fahrplan für die Umstellung festgelegt. Konkret für die Massnahmen und Enddaten der zentralen Verfahren im Zahlungsverkehr: Überweisungen und Lastschriften sowie Avisierungen & Reporting und Einzahlungsscheine, welche auf den Standard ISO 20022 umgestellt werden.

Die Rolle der Schweiz beim neuen Zahlungsverkehr

Der Schweizer Finanzplatz hat proaktiv an der SEPA-Entwicklung mitgewirkt und sich mit den Auswirkungen auf die Schweiz befasst. In einer Machbarkeitsstudie wurden die Bereiche Überweisungen, Lastschriften, Avisierungen & Reporting sowie Belege analysiert, um Möglichkeiten zur Harmonisierung und Annäherung an die europäischen Regelungen auszuloten. Und mehr als das: Der Zahlungsverkehr in der Schweiz wird standardisiert, modernisiert und rundum fit für die Zukunft ausgelegt. Daraus ist das umfassende Projekt Harmonisierung und Migration Zahlungsverkehr Schweiz entstanden – mit klaren Vorgehensweisen und Terminen.

Die Harmonisierung des Zahlungsverkehrs in der Schweiz

Schweizer Überweisungs- und Lastschriftverfahren von Banken und PostFinance werden vollständig harmonisiert, auf der Basis von ISO 20022 verarbeitet, und weitgehend an europäische Standards angeglichen. Weitgehend bedeutet, dass den Eigenarten im Schweizer Zahlungsverkehr Rechnung getragen wird (zum Beispiel Einzahlungsschein, Zahlungsverhalten etc.). Ebenso wird der Bereich Avisierungen & Reporting harmonisiert. Im Bereich Lastschriftverfahren stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung: die Schweizer Verfahren Swiss Direct Debit (CH-DD) (PostFinance) und LEON (Schweizer Banken) sowie SEPA Direct Debit (SDD) (SEPA-Raum). Mit der Idee, Endkunden alle Optionen anzubieten. Bei den Belegen werden die heutigen roten und orangen Einzahlungsscheine verschwinden und einem neuen Einheitsbeleg mit Datencode Platz machen.

Die involvierten Player

Das Projekt der Harmonisierung und Standardisierung betrifft alle Parteien, die Zahlungsverkehrs-Dienstleistungen anbieten oder am Zahlungsverkehr partizipieren:

Im Gegensatz zu den aktiven Machern, sind Privatkunden primär als Nutzer involviert, die aktuell keine besonderen Vorkehrungen treffen müssen.

Die harmonisierten Verfahren

Die Harmonisierung betrifft alle zentralen Bereiche und Verfahren des Zahlungsverkehrs:

Alte und neue Verfahren werden in terminlich festgelegten Phasen parallel geführt, um die Umstellung für alle Beteiligten zu erleichtern.

Die betroffenen Systeme

Neue Meldungsstandards im XML-Format nach ISO 20022, neue Verfahren und optimierte End-to-End-Verarbeitung bedingen Strukturen, IT-Umgebungen, angepasste Prozesse und Systeme, welche den Anforderungen der Gegenwart und der Zukunft gewachsen sind. Das betrifft die IT und Gross-Systeme von Finanzinstituten sowie ERP, Software und Prozesse von Unternehmen. Die Zahlungsverkehrssysteme (RTGS) für den nationalen und internationalen Zahlungsverkehr von Finanzinstituten sind bereits im April 2015 (euroSIC) und April 2016 (SIC) unter neuer Architektur auf der SIC⁴-Plattform in Betrieb genommen worden.

Konsequenzen und Benefits

Das Projekt Harmonisierung Zahlungsverkehr Schweiz ist für alle beteiligten Player (Finanzinstitute, Firmenkunden, Software-Hersteller) mit erheblichen Aufwänden, Einsatz personeller Ressourcen und beträchtlichen Investitionen verbunden. Im Resultat bringen die Vereinheitlichung der Datenformate nach ISO 20022 und die Neuerungen im Zahlungsverkehr zahlreiche fassbare Vorteile: verbesserte Datenqualität, geringere Fehlerquoten, gemeinsame und durchgängige Prozessen, erhöhte Automatisierung mit optimierten STP-Raten und damit tiefere Betriebskosten. Der neue Zahlungsverkehr bringt dem Finanzplatz Schweiz und allen Teilnehmern am Zahlungsverkehr langfristig hohen Nutzen und Sicherheit.

Der Fahrplan der Umstellung in der Schweiz

Im Dezember 2012 wurden die Enddaten für die heutigen Überweisungs- und Lastschriftverfahren sowie für die gängigen Belege festgelegt. Und so präsentieren sich die aktuellen Enddaten (Stand April 2016):

Die heutigen Verfahren, Standards und Formate im Überweisungsverfahren werden ab 2. Quartal 2018, in den Lastschriftverfahren (teilweise) ab 2018 und bei den Belegen ab 3. Quartal 2020 nicht mehr unterstützt.

Termine und Änderungen bei Überweisungen

Proprietäre Verfahren von Banken (DTA) und PostFinance (EZAG, EGA, ESR) werden abgelöst und über ISO 20022-Meldungstypen harmonisiert.

Kontoverbindung: IBAN zur eindeutigen Identifikation

Meldungstyp: pain-Nachrichten (pain.001 für Zahlungsaufträge und pain.002 für Statusmeldungen)

Termine und Parallelphasen – Klick auf das Bild vergrössert die Grafik.

Termine und Änderungen bei Lastschriften

Banken und PostFinance harmonisieren bisherige Lastschriftverfahren. Auf der Basis des ISO 20022-Standards werden Lastschriften und E-Rechnungen kombiniert und lassen sich über eine zentrale Schnittstelle abwickeln.

E-Rechnung: ab 2019 wird die Lastschrift in der Schweiz mit der E-Rechnung kombiniert

Lastschriftverfahren: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Meldungstyp: pain-Nachrichten (pain.008 für Lastschriftenaufträge und pain.002 für Statusmeldungen)

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Termine und Änderungen bei Avisierungen & Reporting

Avisierungen & Reporting umfassen Konto- und Buchungsinformationen, also Nachrichten von der Bank an den Kunden. Diese Nachrichten werden neu als camt-Meldungen ausgeliefert. Zu diesem Bereich gehören:

  • Kontoauszüge mit gebuchten Positionen
  • Intraday-Kontoauszüge (Tagesumsätze und Vormerkposten)
  • Belastungs- und Gutschriftsanzeigen

Meldungstyp: camt-Nachrichten

Termine und Parallelphasen
Für den Bereich Avisierungen & Reporting mit camt-Nachrichten von der Bank an den Kunden hat der Finanzplatz Schweiz keine konkreten Termine vorgegeben. Finanzinstitute sind hier frei, individuell nach internen Kriterien und den Bedürfnissen ihrer Kunden zu operieren. Die Einführung dürfte sich jedoch an den Fahrplänen der Überweisungen und Lastschriften orientieren. 

Provisorische Termine und Änderungen bei Einzahlungsscheinen

Aktualisierung Oktober 2016: Der neue Einzahlungsschein und die Spezifikationen werden nochmals erweitert und sind seit Oktober 2016 umfassend "in Revision", Details zum aktuellen Stand hier.

Der Einheitsbeleg wird eingeführt und ersetzt die bisherigen Einzahlungsscheine. Der neue Einzahlungsschein mit IBAN und Referenznummer (oder Mitteilungsfeld) operiert mit einem QR-Code, der alle relevanten Zahlungsinformationen enthält. Plus Rechnungsinformationen (71 Zeichen) im separaten Kundenteil.

Meldungstyp (Gutschriften): camt-Nachrichten

Termine und Parallelphasen – Klick auf das Bild vergrössert die Grafik.

Die Schweizer Finanzbranche macht ganz vorne mit bei der Einführung der neuen Normen im europäischen Zahlungsverkehr. Selbstverständlich ist das nicht: Es braucht dazu ein grosses Mass an Vertrauen unter den Akteuren, ein rechtes Stück Mut und viel Tatkraft. 

Hansruedi Köng, PostFinance