Patrick Comboeuf zu PSD2 und Open Banking


Fünf Fragen an Patrick Comboeuf von Ifolor

Welche Auswirkungen hat nach Ihrer Betrachtung die EU-Regulierung PSD2 für die Schweiz?

PSD2 wird im Kern die Open Banking Agenda der Schweiz prägen. Das peinlich und feig anmutende Geplänkel der Bankiervereinigung wird in der Retrospektive bloss als untauglicher Versuch mittelalterlicher weisser Männer erscheinen, die alte Welt noch etwas länger zu verklären. 

Welche Bedeutung messen Sie Open Banking für den Finanzplatz Schweiz zu?

"Banking is essential. Banks are not." Dieser von Bill Gates, dem Gründer von Microsoft, geprägte Satz stammt aus dem Jahre 1995 (aus seinem Buch "The Road Ahead")! Mit Open Banking werden mehr als zwanzig Jahre danach erstmals tragfähige Architekturen und Frameworks auf den Markt kommen, welche dieses Mantra endlich Realität werden lassen.

Die SBVg bezieht Stellung und lehnt eine PSD2-analoge Regulierung für die Schweiz ab. Welche Signale werden dadurch gesetzt? Ist das ein Vorteil, ein Nachteil oder bleibt eine fehlende PSD2-analoge Regulierung ohne Auswirkungen für die Schweiz?

Das Internet und die digitalen Konsumenten halten sich nicht an Staatsgrenzen. Wenn eine Innovation überzeugend und sinnstiftend zur Verfügung steht, wird die Nachfrage danach exponentiell zunehmen.

Vergessen wir nicht, ab 2020 bilden Digital Natives die Mehrheit der aktiven Bevölkerung. Die Banken in der Schweiz stehen deshalb vor einer Weggabelung:

Weiter Verhinderungstaktik mit etwas Innovationstheater kaschieren und damit den unaufhaltsamen Abstieg in die Bedeutungslosigkeit beschleunigen. 

Oder sofort umschwenken und kundenrelevante Innovation (zum Beispiel in skalierbaren Open Banking-Architekturen) ins Zentrum ihrer digitalen Legitimation stellen.

Wird die PSD2 in ihren Auswirkungen generell überbewertet oder ist es tatsächlich eine umwälzende Neuerung?

Es ist ein gesetzlicher Rahmen, der es auch kleinen Playern erlaubt, Bankinnovationen zu vermarkten. Das ist bemerkenswert. 

Welche Rolle wird Open Banking in fünf Jahren in Europa im Allgemeinen und in der Schweiz im Besonderen spielen?

In fünf Jahren wird die Hälfte der Experten von heute ernüchtert sein über die zu langsame Entwicklung. Die Exponentialkurve wird erst danach steiler. Dann aber gewaltig.  

Was wir nicht gefragt haben, was jedoch Ihrer Meinung nach zum Thema PSD2 oder Open Banking unbedingt gesagt gehört:

Die Debatte um Open Banking in der Schweiz wäre aktuell eine fantastische Chance für alle Banker, die bis jetzt im Schatten der "mutlos-weiss-mittelalterlich-männlich"-Führungsriege standen, entweder pointiert Stellung zu beziehen oder selber bei einem (ausländischen?) Fintech Startup anzuheuern.

One more thing: "Die Zeiten des 3-6-3 (give 3% - take 6% - off to golf at 3pm) sind mit Open Banking definitiv vorbei. Zu Recht!"


Wer spricht?

Patrick Comboeuf

Patrick Comboeuf ist einer der profiliertesten digitalen Vordenker der Schweiz. Er stellt Kundenrelevanz jenseits von Innovationstheater ins Zentrum seines Handelns. So kombiniert Comboeuf Design Thinking und Machen, er ist Ideenhändler, Innovationsarchitekt, Unicorn-Jäger, Fintechrocker und Extrapreneur, der übergreifende Ecosysteme erlebbar macht.

Als Studienleiter am Institute for Digital Business der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ), verbindet Patrick Comboeuf akademisches Wissen und Startup-Groove mit der Unternehmenswelt. Im Hauptberuf verantwortet er beim Fotodienstleister Ifolor als Group CTO die Streams Marketing, Digital Commerce, Product Experience und IT.

Mit der Erfahrung verschiedener leitender Funktionen, unter anderem Head of Digital bei Swiss Life und Director Digital Business bei den SBB, ist Comboeuf gefragter Keynote Speaker, Autor und Impulsgeber – national und international. Als Global Citizen lebt und arbeitet Patrick Comboeuf seit Jahren in den USA, Europa und in Asien.

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