Christoph Hartgens zu PSD2 und Open Banking


Fünf Fragen an Christoph Hartgens von Bank Julius Bär

Welche Auswirkungen hat nach Ihrer Betrachtung die EU-Regulierung PSD2 für die Schweiz?

Eine Regulierung für sich bringt noch wenig Nutzen. Die Bestrebungen in der EU zeigen jedoch, dass auch der Regulator sich mit dem Thema Digitalisierung resp. Open Banking beschäftigt. Für die Schweiz hat diese EU-spezifische Regulierung keine direkten Konsequenzen.

Die Kundenbedürfnisse und die sich bereits heute verändernden Ansprüche und Erwartungen wollen und werden wir als Privatbank selbstverständlich auch weiterhin erfüllen. Aber nicht alle Themen der Digitalisierung haben für eine Privatbank im grenzüberschreitenden Geschäft die gleiche Bedeutung und generieren die gleiche Nachfrage. Retail- und Universalbanken, die zudem noch viele Geschäftskunden haben, sind da weitaus umfangreicher gefordert.

Julius Bär möchte dem einzelnen Kunden die Wahl überlassen, ob er den persönlichen oder digitalen Kontakt mit uns wünscht.

Welche Bedeutung messen Sie Open Banking für den Finanzplatz Schweiz zu?

Schnittstellen und Daten sind seit vielen Jahren bereits ein wichtiger Kern im modernen Banking. Bis anhin wurden diese Schnittstellen und Daten mehrheitlich von externen Vermögensverwaltern, KMUs oder aber von Gegenparteien genutzt. Dies ist kein neuer Trend. Neu ist hingegen die Nachfrage nach Schnittstellen und Daten, welche zusätzlich von FinTechs kommt. Diese sehen neue, innovative Produkt- und Service-Ideen, welche dem Kunden einen Mehrwert bieten.

Wenn wir es in der Schweiz schaffen, einen gemeinsamen Standard zu definieren, wäre dies ein Startpunkt, welcher die Innovation fördern würde. Auch Banken haben da durchaus innovative Ideen.

Die SBVg bezieht Stellung und lehnt eine PSD2-analoge Regulierung für die Schweiz ab. Welche Signale werden dadurch gesetzt? Ist das ein Vorteil, ein Nachteil oder bleibt eine fehlende PSD2-analoge Regulierung ohne Auswirkungen für die Schweiz?

Der Regulator möchte wohl im Kern seiner Bestrebungen Innovation fördern. Eine Regulierung verhält sich aber – meistens – wie ein Korsett. Als Urgestein im Banking darf ich sagen: Die Schweizer Bankenwelt hat sich verändert. Vor 20 bis 30 Jahren erfolgte der Austausch zwischen Banken oft nur via Bankiervereinigung, heute existieren dagegen verschiedenste Kooperationen, was man sich vor zehn Jahren noch nicht hätte vorstellen können. Beispiele dafür sind Themen wie eID oder OpenAPI, wo man offen und unkompliziert aufeinander zugeht.

Wird die PSD2 in ihren Auswirkungen generell überbewertet oder ist es tatsächlich eine umwälzende Neuerung?

Wenn sie mit PSD2 generell das Thema Open Banking meinen, dann bin ich überzeugt, dass es die Branche verändern wird. Nicht alle Banken stehen dabei vor den gleichen Herausforderungen – und nicht alles, wo FinTech oder Digitalisierung draufsteht, ist für alle Banken gleich relevant.

Jede Bank muss sich klar werden, wie sie für ihre Kunden einen Mehrwert durch Digitalisierung schaffen kann. Dies sieht für KMUs anders aus als für Retailkunden, die wiederum andere Bedürfnisse haben als UHNWIs.

Ich freue mich, dass ich bereits den fünften grossen Veränderungsprozess im Bankgeschäft erleben und umsetzen resp. begleiten darf. (Elektronischer Börsenhandel, Einführung Strukis, Einführung ETFs, Einführung Online-Trading – auch dies waren Digitalisierungs-Themen.)

Welche Rolle wird Open Banking in fünf Jahren in Europa im Allgemeinen und in der Schweiz im Besonderen spielen?

Ich denke, dass wir kurzfristig zu viel erwarten – langfristig jedoch noch nicht abschätzen können, was sich alles ändern wird.

Was wir nicht gefragt haben, was jedoch Ihrer Meinung nach zum Thema PSD2 oder Open Banking unbedingt gesagt gehört:

Die Kooperation, welche sich zwischen den Banken verstärkt hat, wird auch mit den FinTechs weitergehen. Es handelt sich aber um Welten, welche sich in unterschiedlichen Geschwindigkeiten drehen. Der optimale Modus für solche Kooperationen muss in jedem individuellen Fall neu gefunden werden. Dies erfordert Anpassungen am eigenen Verhalten und Vorgehen. Das sind Veränderungsprozesse, welche auch die Banken durchlaufen müssen.


Wer spricht?

Christoph Hartgens ist Chief Digital Officer (CDO) sowie Leiter des Bereichs "Channels" bei der Bank Julius Bär. Er zeichnet mitverantwortlich für die digitale Gegenwart und Zukunft der Bank.

Digitale Transformation im Banking beschäftigt Hartgens bereits seit gut 30 Jahren. Er ist ein ausgewiesener Experte in den Bereichen Banking, FinTech und Digitalisierung. Die Mithilfe beim Aufbau der digitalen Onlinebörse SOFFEX (heute Eurex) war sein Einstieg in die Transformation. Seither hat er eine Vielzahl von Projekten und Ideen umgesetzt und lanciert – durchwegs Produkte und Services mit starker IT-Komponente und Kundenfokus. Zum Beispiel: Erstes strukturiertes Produkt für eine Schweizer Grossbank, erster in der Schweiz kotierter CAT Bond, Zusammenführung eines Medienhauses (Ringier) mit einer Bank (Bank Sarasin) und Gründung von Cash Zweiplus AG.

Zudem ist Christoph Hartgens Gründungsmitglied und Vorstand beim Schweizer FinTech Incubator & Accelerator F10. Zusätzlich spielt er bei F10 eine aktive Rolle als Mentor.

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